Getreide

Fischler kritisiert Benachteiligung polnischer Kleinbauern

Wien. EU-Agrarkommissar Franz Fischler hat der polnischen Regierung ein schlechtes Zeugnis für deren Landwirtschaftspolitik ausgestellt. Im Interview mit der österreichischen Zeitung "Kurier" sagte Fischler: "Die offizielle Politik vertritt nicht primär die Interessen der Kleinbauern, sondern jene der großen Betriebe. Sonst ist es nicht erklärbar, dass Mittel für die ländliche Entwicklung, die Kleinbauern zu Gute kommen, zur Aufstockung von Direktzahlungen umgewidmet wurden." Als Dauerlösung sei das nicht akzeptabel.

Fischler warb um eine Zustimmung der Polen bei einem EU-Referendum. Die Vorteile seinen offenkundig. "Ich kann jedem Bauern in Polen vorrechnen, dass es für sein Einkommen günstiger ist, in der EU zu sein als außerhalb", so Fischler. Ohne Direktzahlungen bedeute die EU-Mitgliedschaft für jeden polnischen Bauern ein Drittel mehr Einkommen pro Jahr.

Eine der großen EU-Projekte im Jahr 2003 sei die Agrarreform. Ende Januar würden die Gesetzestexte vorgelegt und Mitte des Jahres beschlossen, sagte Fischler. Der wichtigste Punkt sei die Reform des Milchmarktes inklusive der Verlängerung der Quotenregelung. "Das kostet Geld und wird aus dem Sektor genommen, der mehr als die Hälfte der EU-Agrarausgaben verbraucht und der Getreidewirtschaft zugute kommt", so der Agrarpolitiker im Interview. "Wir müssen einen Ausgleich schaffen zwischen Milch- und Getreidebauern", forderte Fischler.

(31.12.02)

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