Getreide

Einkommen sinkt um 18 Prozent

Brüssel. Das reale landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft ist in der Europäischen Union (EU) im Jahr 2002 um 3,0 Prozent zurückgegangen, in Deutschland sogar um 18 Prozent. Dies geht aus ersten Schätzungen hervor, die von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften in Luxemburg, veröffentlicht wurden.

Der Rückgang des Niveaus des realen landwirtschaftlichen Einkommens je Arbeitskraft in der EU ergab sich aus einer Verringerung des realen landwirtschaftlichen Einkommens (-5,9 Prozent) einerseits und einem anhaltenden Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes (-2,9 Prozent) andererseits.

In zehn Mitgliedstaaten liegt das landwirtschaftliche Einkommen unter dem Vorjahresniveau. Die stärksten Rückgänge wurden in Dänemark (-26,3 Prozent), Deutschland (-18,0 Prozent), Irland (-11,4 Prozent), Belgien (-7,7 Prozent) und den Niederlanden (-7,5 Prozent) gemessen. Die einzigen Länder, in denen das landwirtschaftliche Einkommen höher ist als 2001, sind Finnland (+7,3 Prozent), Griechenland, (+5,7 Prozent), das Vereinigte Königreich (+3,9 Prozent), Spanien (+1,2 Prozent) und Luxemburg (+1,0 Prozent).

Auch von sieben Beitretenden Ländern wurden Daten übermittelt. Aufgrund dieser vorläufigen Daten wird erwartet, dass das reale landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft im Jahr 2002 nur in der Slowakischen Republik (+12,2 Prozent) und in Lettland (+3,1 Prozent) höher als im Vorjahr ausfallen wird. Die stärksten Rückgänge wurden in Polen (-22,7 Prozent) und Ungarn (-21,2 Prozent) beobachtet. In der Tschechischen Republik ging das Einkommen um 6,1 Prozent zurück, in Litauen um 3,7 Prozent und in Estland um 2,8 Prozent.

Die Verringerung des realen landwirtschaftlichen Einkommens je Arbeitskraft in der EU15 im Jahr 2002 ergab sich aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren:
  • einer Abnahme der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion (real -3,5 Prozent),
  • einer Verringerung der Vorleistungskosten (real -2,1 Prozent) und der Abschreibungen (real -0,6 Prozent),
  • einem Rückgang der nicht produktspezifischen Subventionen (real -1,6 Prozent) und der nicht produktspezifischen Abgaben (real -1,0 Prozent),
  • einer anhaltenden Verringerung des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes (-2,9 Prozent).
Der Rückgang der realen landwirtschaftlichen Gesamtproduktion im Jahr 2002 in der EU15 (-3,5 Prozent) ist hauptsächlich auf die Rückgänge des Produktionswerts von tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen (-6,5 Prozent bzw. -1,4 Prozent) zurückzuführen, die wiederum durch geringere Erzeugerpreise (-8,1 Prozent bzw. -2,4 Prozent) verursacht wurden. Das Produktionsvolumen ist um 0,9 Prozent höher als im Vorjahr (+0,6 Prozent bzw. +1,2 Prozent für die tierische und die pflanzliche Erzeugung).

Die Verringerung der tierischen Erzeugung in der EU im Jahr 2002 (-6,5 Prozent) wurde in erster Linie durch starke (preisbedingte) Rückgänge der Produktionswerte bei Schweinen (-20,0 Prozent), Milch (-7,4 Prozent) und Geflügel (-9,5 Prozent) verursacht, welche durch die Erholung der nach den Krisen im Zusammenhang mit BSE und der Maul- und Klauenseuche im Jahr 2001 stark beeinträchtigten Produktionswerte für Rinder (+8,8 Prozent) sowie Schafe und Ziegen (+4,7 Prozent) nicht ausgeglichen wurden.

Der geringe Anstieg des Produktionsvolumens bei Schweinen im Jahr 2002 in der EU (+0,3 Prozent) geht mit einem starken Verfall der Erzeugerpreise (-20,3 Prozent) einher. Dieser Rückgang war der wichtigste Faktor für die Entwicklung des landwirtschaftlichen Einkommens in der EU im Jahr 2002 und folgt auf erhebliche Anstiege in den Jahren 2000 und 2001. Der zweitwichtigste Faktor war der Rückgang der Milchpreise um -7,2 Prozent (Milch ist der Posten mit dem höchsten Anteil an der Agrarproduktion in der EU) bei einem konstanten Produktionsvolumen (+0,1 Prozent).

Die Abnahme der pflanzlichen Erzeugung in der EU im Jahr 2002 (-1,4 Prozent) ist im Wesentlichen die Folge geringerer Produktionswerte bei Kartoffeln (-15,5 Prozent), Wein (-7,0 Prozent) und Getreide (-1,8 Prozent). Die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Entwicklung des landwirtschaftlichen Einkommens sind jedoch sehr viel geringer als die Auswirkungen der im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen Veränderungen.

Nach Milch ist Getreide das zweitwichtigste Erzeugnis der Landwirtschaft in der EU. Beim Volumen und bei den Preisen waren erhebliche Schwankungen zu verzeichnen (+7,0 Prozent bzw. -8,6 Prozent), die einander allerdings weitgehend ausglichen. Die Steigerung des Volumens bringt die Getreideproduktion im Jahr 2002 sehr nahe an das Rekordniveau von 2000 heran.

Das Produktionsvolumen bei Kartoffeln in der EU liegt um 1,8 Prozent über dem des Vorjahres, während die Preise voraussichtlich um 17,2 Prozent gesunken sind. Bei Wein sank das Produktionsvolumen um 6,7 Prozent, während die Erzeugerpreise lediglich um 4,0 Prozent fielen.

(19.12.02)

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