Getreide

Preisrutsch am Schweinemarkt

Beierfeld. Schlachtschweine zu verkaufen war in den vergangenen Wochen alles andere als ein lukratives Geschäft. Ende März erlösten die Schweinemäster im Bundesmittel für Tiere der Fleischhandelsklasse E nach vorläufigen Angaben gerade noch 1,20 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht, nachdem es im Februarmittel noch 1,30 Euro gewesen waren, teilte die ZMP mit. Entscheidend für die Schwäche am Schweinemarkt sind ein hohes Angebot an Schlachttieren bei gleichzeitig schleppender Nachfrage nach Schweinefleisch.

Das hohe Angebot an Schweinefleisch in den ersten Monaten dieses Jahres ist vor allem hausgemacht. Das heißt, hierzulande lagen die Schlachtzahlen zwischen Jahresanfang und Mitte Februar im Mittel etwa fünf Prozent, in der Spitze sogar bis gut sieben Prozent über der Vorjahreslinie. Erst ab Mitte Februar gingen sie dann wieder zurück und lagen in den folgenden Wochen zwischen einem halben und gut zwei Prozent über Vorjahresniveau. Andererseits gab es aber deutliche Angebotsrückgänge in den Niederlanden und Belgien. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Minderangebot jeweils etwa vier Prozent. Für beide Länder ist Deutschland der wichtigste Absatzmarkt. Insofern könnte die Entwicklung in Belgien und den Niederlanden durchaus die Erklärung dafür sein, dass trotz der höheren Schlachtzahlen hierzulande das Angebot an Schweinefleisch im ersten Quartal insgesamt durchaus nicht als drückend empfunden wurde.

Optimistische Marktbeobachter gingen Mitte Februar davon aus, dass sich dieses Preisniveau auch im März würde halten lassen. Denn nach den Karnevalstagen zieht die Nachfrage üblicherweise etwas an. Doch in diesem Jahr blieb das Interesse weiter schwach, so dass schon ein leichter Anstieg in den Schlachtzahlen gegen Ende Februar zu einem starken Druck auf die Preise führte.

Keine Änderung in Sicht

An dieser grundlegenden Schwäche der Nachfrage wird sich wohl auch sobald nichts ändern. Ursächlich dafür ist nach vielfacher Meinung das Konsumklima in Deutschland. Immer mehr Bundesbürger schauen wegen der ungewissen wirtschaftlichen Aussichten immer stärker aufs Geld und sparen wo es geht. Das trifft denn auch den Fleischverbrauch, der nach einer Auswertung von ZMP und CMA schon im Jahre 2002 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Diese Auswertung zeigt aber auch, dass Schweinefleisch offensichtlich Marktanteile an Rindfleisch abgegeben hat.

Saisonaler Aufschwung erwartet

Andererseits ist für die nächsten Wochen durchaus etwas Optimismus am Schweinefleischmarkt angebracht, denn bald beginnt die Grillsaison, in der der Fleischabsatz üblicherweise merklich steigt. Hinzu kommt, dass ab April Aldi Nord in ersten Testmärkten verpacktes Schweinefrischfleisch verkaufen wird.

Dieser Einstieg des ersten Discounters dürfte - zumindest bei einem erfolgreichen Engagement - bald andere nach sich ziehen, was insgesamt die Preise für Schweinefleisch auf der Verbraucherstufe senken dürfte. Und gerade bei Schweinefleisch gibt es durchaus engere Zusammenhänge zwischen dem Preis und der Nachfragemenge. Allerdings wird der Einstieg der Discounter vermutlich sehr viel stärker eine Veränderung der Absatzwege bedingen als einen zusätzlichen Run auf Schweinefleisch auslösen.

Jedoch sollte man weder von der saisonalen Entwicklung noch von den neuen Anbietern eine zu starke Auswirkung auf die Schweinepreise erwarten. Denn die Spielräume werden nicht zuletzt aufgrund der Mengen, die in der privaten Lagerhaltung liegen, begrenzt bleiben. So warten zurzeit etwa 105.000 Tonnen in der EU auf Absatz. Und erste Kontrakte dieser Einlagerungsaktion laufen Anfang April aus, die dann wieder in den Markt zurückfließen.

Fleischberge in Dänemark

Es bleibt zu hoffen, dass davon kein allzu großer Preisdruck ausgeht, denn das meiste Fleisch lagert mit gut 45.000 Tonnen in Dänemark. Und die Dänen wollen es in Japan, das zu diesem Zeitpunkt die Grenzen wieder öffnet, losschlagen. Die Mengen in Deutschland dagegen sind mit rund 8.000 Tonnen nicht allzu hoch.

Ein weiterer Umstand, der den Spielraum der Preise nach oben begrenzt, ist der nach wie vor stockende Export. Insbesondere die Lieferungen nach Russland, unserem bedeutendsten Abnehmer außerhalb der EU, sind momentan sehr eingeschränkt. So werden ab April neue Importlizenzen vergeben, die die Fleischeinfuhren Russlands begrenzen und der dortigen Fleischwirtschaft Entwicklungschancen sichern sollen. Bis dieses neue System reibungslos funktionieren wird, dürfte noch einige Zeit vergehen. Darüber hinaus sind die deutschen Exporteure zurzeit auch kaum wettbewerbsfähig. Insbesondere polnische und brasilianische Exporteure liefern sehr viel preiswerter: Von bis zu 40 Cent pro Kilogramm ist die Rede.

Alles in allem werden die Preise in den nächsten Wochen also nicht in den Himmel wachsen. Doch andererseits scheint die Talsohle erreicht, und es könnte wieder aufwärts gehen. An der WTB in Hannover herrschte jedenfalls Ende März ein gedämpfter Optimismus. So wurde der Aprilkontrakt zu Beginn der letzten Märzwoche mit 1,26 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht bewertet.

(07.04.03)

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