Getreide

Dioxin-Skandal weitet sich aus

Dresden. Weitere Lieferungen von möglicherweise mit Dioxin verunreinigtem Tierfutter eines Thüringer Herstellers sind nach Sachsen gelangt. Damit ist die Zahl der betroffenen Betriebe auf insgesamt 27 gestiegen, so das sächsische Agrarministerium.

Nach neuesten Erkenntnissen erhielt ein sächsischer Mischfutterhersteller aus dem Thüringer Werk getrockneten Zwiebackbruch. Der Zwiebackbruch war vermutlich dioxinbelastet und wurde in Futtermittel für Ferkel eingearbeitet. Insgesamt wurden drei Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen und jeweils ein Betrieb in Thüringen und Brandenburg mit diesem Futtermittel beliefert.

Kontrollen in den sächsischen Betrieben ergaben, dass lediglich in einem Betrieb noch rund vier Tonnen Futtermittel vorhanden waren. Die Restmenge wurde gesperrt und mittlerweile nach Thüringen zurückgeholt. Ein weiterer Betrieb erhielt möglicherweise dioxinbelastete Trockenschnitzel. Die amtliche Futtermittelüberwachung hat die noch vollständig vorhandene Menge beprobt und bis zum Vorliegen des endgültigen Messergebnisses über den Dioxingehalt für die Verfütterung gesperrt.

Auch bei der Überwachung der Tierbestände haben die zuständigen Behörden alle zur Gewährleistung des Verbraucherschutzes notwendigen Maßnahmen ergriffen. So ist sichergestellt, dass die Tiere aus den betroffenen Betrieben vorerst nicht geschlachtet werden. Erst wenn die Ergebnissse entsprechender Stichprobenuntersuchungen vorliegen, wird über eine Freigabe des gewonnenen Fleisches entschieden. In betroffenen Milcherzeugungsbetrieben bzw. Molkereien erfolgt eine Zwischenlagerung der Rohmilch, bis auch hier durch die entsprechenden Untersuchungsergebnisse der Beleg für die Unbedenklichkeit der Produkte erbracht ist.

Hintergrundinformationen zu möglichen Gesundheitsgefahren durch Dioxin: Die Giftigkeit von Dioxinen wird durch das Toxizitätsäquivalent (TEQ) ausgedrückt. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission (SCF) hat im Jahre 2001 für Dioxine vorsorglich eine zulässige wöchentliche Aufnahme (TWI) von 14 pg (Pikogramm = ein Billionstel Gramm) TEQ/kg Körpergewicht beim Menschen festgesetzt; d. h. ein 75 kg schwerer Mensch sollte nicht mehr als 1.050 pg TEQ pro Woche aufnehmen. Die Höchstwerte von Dioxinen in tierischen Lebensmitteln sind auf 1 bis 4 pg TEQ/g Fett festgelegt. Auch bei geringfügiger Überschreitung der Höchstwerte (wie im Schweinefleisch in Thüringen festgestellt) sind Gesundheitsgefahren nicht zu befürchten.

Keine Gesundheitsgefährdung

Fazit: Eine Gesundheitsgefährdung kann für die Verbraucher nach bisherigen Erkenntnissen ausgeschlossen werden. Dennoch gehören Spuren von Dioxin weder ins Futter noch in Nahrungsmittel. Grenzwerte wurden überschritten. Das Futter und das belastete Fleisch müssen aus dem Verkehr gezogen werden.

(18.02.03)

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